Aus Sicht der Initiative AtomErbe Obrigheim hat der Betreiber des AKW Obrigheim, die EnBW, wieder einmal Glück gehabt. Alle fünf Transporte der abgebrannten Brennelemente aus dem AKW Obrigheim ins Standort-Zwischenlager Neckarwestheim verliefen laut EnBW und Polizei ohne nennenswerte Probleme. Mit diesen Transporten wurde ein hohes Risiko eingegangen. Ständig wird von der Politik die Gefahr von terroristischen Angriffen ins Spiel gebracht. In diesem Fall wurde das wohl nicht befürchtet, denn die Polizei war nur dort, wo friedliche Proteste angemeldet waren. Die stellten aber keine Gefahr für den Transport dar. Und auch ein „normaler“ Unfall war nicht unmöglich, das zeigt der Vorfall auf dem Rhein, wo am Tag vor dem Transport in der Nähe von Karlsruhe ein Unfall mit einem ähnlichen Schiffsverband passierte. Der Schubleichter, also der Teil, auf dem die Fracht transportiert wird, riss sich bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Schiff vom Schubschiff los und trieb kilometerweit führerlos flussabwärts. Dass bei den fünf Atomtransporten auf dem Neckar nichts passiert ist: Glückssache.

Offen bleibt, ob die Verlegung der hochradioaktiven Brennelemente nach Neckarwestheim die bessere Lösung ist im Vergleich zum Bau eines möglichst sicheren Zwischenlagers am Standort Obrigheim, denn das AKW Neckarwestheim steht in einem Karstgebiet, wo der Untergrund löchrig und damit auf Dauer instabil ist. Sicher ist, dass es in Zusammenhang mit der Atomtechnik keine guten, sondern nur mehr oder weniger schlechte Lösungen gibt. Diejenigen, die behaupten, dass sie die Verantwortung übernehmen, werden nicht mehr da sein, wenn die nächsten Generationen sich mit den nuklearen Hinterlassenschaften herumschlagen und die Kosten tragen müssen. Eine verantwortliche Entscheidung wäre nach Meinung der Initiative, wenn die Atomkraftwerke sofort abgeschaltet würden, damit der Atommüllberg nicht immer noch größer wird. „Eine Technik, bei der man darauf baut, dass man Glück hat und bei der der kleinste Fehler zur Katastrophe führen kann, ist nicht tragbar“, meint Gertrud Patan, Mitglied der Initiative.

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