Es ist in Deutschland das erste Mal, dass hochradioaktive abgebrannte Brennelemente auf einem Fluss transportiert werden. Die Initiative AtomErbe Obrigheim hat den Eindruck, dass Risiken und Gefahren ausgeblendet werden und dass die mindestens fünf Transporte auf dem Neckar von AKW Obrigheim (KWO) nach Neckarwestheim als Experiment anzusehen sind. Es fängt damit an, dass es im AKW Obrigheim kein Lager für CASTOR-Behälter gibt, so dass die beladenen Behälter für den Transport wochenlang auf dem Anlagengelände im Freien „bereitgestellt“ werden müssen. Und das, obwohl wieder öfters Tiefflieger über die Region fliegen.

Auch die geplanten Schifffahrten auf dem Neckar haben spezielle Eigenheiten: Beim Auffahren der Fahrzeuge mit den Behältern auf die Ladefläche des Schiffes muss eine steile Rampe mit einem Gefälle bis zu 15% überwunden werden. Im Straßenverkehr sind bei einem solchen Gefälle Warnschilder aufgestellt. Das Transportschiff ist länger als es auf dieser Neckarstrecke erlaubt ist und passt kaum in die Schleusen. Auch das Wenden macht Probleme. Für den Schubverband, bestehend aus Schubschiff und Lastschiff, gibt es keine Wendemöglichkeit. Daher werden die beiden Teile getrennt und das Lastschiff mit den CASTOR-Behältern muss sich losgelöst vom Schubschiff mit eigener Kraft drehen. Ein ungewöhnlicher Vorgang, und das bei einem Gefahrguttransport. Die Schiffe selber sind nicht unbedingt vertrauenswürdig, denn auf dem eingesetzten Schubschiff Edda hat es vor vier Jahren gebrannt, das zweite Schubschiff Ronja ist bereits fast 50 Jahre alt. Eine eventuell notwendige Bergung aus dem Fluss wird der Feuerwehr und den Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen überlassen. Fraglich ist, ob ein Konzept dafür existiert.

Die Initiative AtomErbe Obrigheim begrüßt die Klage der Gemeinde Neckarwestheim gegen diesen gefährlichen Transport. Sie hält es für zweifelhaft, ob die „Transportbereitstellung“ der beladenen Castor-Behälter auf dem KWO-Gelände einer juristischen Überprüfung standhalten wird. Denn die erste Stilllegungs- und Abbaugenehmigung, auf die sich EnBW und das baden-württembergische Umweltministerium berufen, geht von einem Zwischenlager für die Castor-Behälter in nächster Nachbarschaft des KWO aus, so dass für den Transport nur ein paar Meter ohne Aufenthalt zu bewältigen wären. Gertrud Patan, Mitglied der Initiative, befürchtet: „Wenn solche Klimmzüge im Umgang mit dem Atommüll gemacht werden, sieht es nach einem Experiment aus, um auszuprobieren, wie großzügig die gesetzlichen Vorschriften ausgelegt werden können.“

Print Friendly, PDF & Email