BUND: Kritik am Umgang mit AKW Obrigheim.
Problem ist lange nicht gelöst. Größtmögliche Sicherheit bei Rückbau gefordert

24.05.2012: Anlässlich des Transports von Dampferzeugern aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim zu den Energiewerken Nord bei Lubmin gab es deutliche Kritik am Umgang mit der Atomkraft. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte den zweiwöchigen Schiffstransport ein „Verschieben“ des Problems. „Das Verschiffen des Rückbaumaterials entsorgt noch kein Gramm dieser Hinterlassenschaften“, erklärte Matthias Weyland, Geschäftsführer beim BUND Rhein-Neckar-Odenwald. Nach Aussage des Umweltverbandes bestünde in Lubmin keine Lagergenehmigung, zudem sei ungeklärt, was im Anschluss mit den radioaktiven Anteilen geschehe. Weyland dazu: „Dieser Umgang zeigt einmal mehr, dass die Hochrisikotechnologie teuer und auf Generationen gefährlich ist.“

Der BUND forderte das Land Baden-Württemberg als Betreiber dazu auf, nicht am Rückbau zu sparen. Sicherheit dürfe nicht zu Lasten der Kosten gehen. Auch sei eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit unerlässlich. Dabei kritisierte der Umweltverband: „Das Vorgehen des Landes ist nicht geeignet, größtmögliches Vertrauen zu schaffen. Für die zweite Teilgenehmigung gab es gar keine Öffentlichkeitsbeteiligung, für die dritte Teilgenehmigung ist eine solche lediglich freiwillig vorgesehen. Bei der Tragweite dieses Problems darf es aber keinen Schritt ohne zwingende Beteiligung der Bevölkerung geben.“

Das Atomkraftwerk Obrigheim ist eines der drei AKW, die über die Energie-Baden-Württemberg (EnBW) an das Land übergingen. Daneben sind dies die Reaktoren in Neckarwestheim und Philippsburg, die bis 2022 beziehungsweise 2019 laufen sollen. Atomkraftgegner halten auch diese für unsicher und fordern ein Abschalten der Meiler.

Hintergrund: Das AKW Obrigheim ist seit 2005 stillgelegt und befindet sich derzeit im Rückbau. Gegen die zweite Teilgenehmigung läuft eine Klage der „Initiative AtomErbe Obrigheim“, weil befürchtet wird, dass Sicherheitsaspekte des Abbaus nicht ausreichend geprüft wurden. Aktuell werden zwei Dampferzeuger und zwei Hauptkühlmittelpumpen zur Behandlung zu den Energiewerken Nord (EWN) nach Lubmin geschickt. Der Transport über mehrere Binnenwasserstraßen soll gut eine Woche dauern.

ROBIN WOOD: Kletteraktivisten hängen sich vor Atommüllschiff in Münster

28.05.2012: Heute Nachmittag haben ROBIN WOOD-KlettererInnen gemeinsam mit AktivistInnen aus Münster über dem Dortmund-Ems-Kanal gegen den Transport von Atommüll protestiert. Zwei KlettererInnen seilten sich mit einem Transparent mit der Aufschrift „Vermeiden statt Verschieben“ von einer Kanalbrücke an der Wolbecker Straße in Münster ab. Anlass des Protests ist der Transport von Atommüll aus dem AKW Obrigheim über 1500 Kilometer Wasserstraßen nach Lubmin.

Der Atommüll, bestehend aus radioaktiv strahlenden Pumpen und Dampferzeugerteilen aus Obrigheim, wird im Zwischenlager Lubmin zerlegt und dann mit anderen Materialien verschnitten, bis geltende Grenzwerte unterschritten sind. Der Müll kann dann zur Deponie gebracht werden oder sogar für den Straßen- und Hausbau verwendet werden. Der Müll strahlt aber immer noch, Grenzwerte werden nur den wirtschaftlichen Verhältnissen angepasst. So wurden nach den Reaktor-Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima Grenzwerte erhöht.

„Mit unserer Aktion wollen wir ein Zeichen gegen diesen geheimen, gefährlichen Atommülltourismus durch Deutschland und Polen setzen. Dass Atomkraftwerke zurückgebaut werden, finden wir grundsätzlich richtig. Wie in diesem Zusammenhang mit dem Müll umgegangen wird, ist aber fahrlässig und kriminell. Es wird durch den Transport suggeriert, es gäbe eine Lösung für diesen Müll, dem ist aber nicht so.“, erklärt Kurt.

ROBIN WOOD-Aktivistin Cécile ergänzt: „Von Atomausstieg kann nicht die Rede sein, solange Atomanlagen wie die Uran-Anreicherungsanlage in Gronau bei Münster weiter laufen und Müll produzieren. Das ist der Grund, warum wir hier demonstrieren.“

Weitere Informationen zum Thema:
– Anti-Atom Bündnis Nordost: http://lubmin-nixda.de
– BUND Rhein-Neckar: http://www.bund-rhein-neckar-odenwald.de/start/themen-projekte/atomkraft
– Robin Wood: http://www.robinwood.de/energie

Print Friendly